- John Kenneth Galbraith: "Eine kurze Geschichte der Spekulation"
- John Stieglitz: "Im freien Fall"
- Robert Skidelsky: "Keynes - The Return of the Master"
Gedanken zum Thema Spekulationsblasen: Wie entstehen sie? Wie entwickelt sie sich? Lässt sich ihr Ende vorhersagen?
Mittwoch, 18. August 2010
DAF: Buchempfehlungen zum Thema Spekulationsblasen
Auf dem Deutschen Anlegerfernsehen (DAF) gab es heute in der Sendung "seitenweise" drei Buchempfehlungen zum Thema "Spekulationsblasen":
Montag, 9. August 2010
Die "Affenwirtschaft" - oder: der biologische Ursprung unserer Irrationalität
Hier ein sehr interessanter Vortrag von Laurie Santos, Psychologie-Professorin in Yale. Sie beschreibt darin sehr kurzweilig, wie sie Kapuzineräffchen erst die Bedeutung von "Geld" beigebracht hat und anschließend überprüfte, ob sich die aus der Behavioral Finance bekannten "menschlichen Schwächen" auch in dem Verhalten unserer biologschen Verwandten zeigen.
Und tatsächlich: die Loss Aversion, also die Tendenz sichere Verluste nach Möglichkeit zu vermeiden (auch wenn die Alternative in einem ein deutlich höheren möglichen Verlust besteht) ist bei den Affen sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Sicht ähnlich ausgeprägt wie beim Menschen.
Und tatsächlich: die Loss Aversion, also die Tendenz sichere Verluste nach Möglichkeit zu vermeiden (auch wenn die Alternative in einem ein deutlich höheren möglichen Verlust besteht) ist bei den Affen sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Sicht ähnlich ausgeprägt wie beim Menschen.
Montag, 24. Mai 2010
"Herzflimmern der Börse": Traue keiner Statistik ...
Die FAZ hat am 18. Mai einen Artikel mit dem spannenden Titel "Das Herzkammerflimmern der Börse" veröffentlicht. Aus dem einleitenden Absatz wird bereits deutlich, was den Lesern zu erwarten hat:
Den reißerischen Ton könnte man dem Autoren noch verzeihen - zu seiner Entschuldigung sei angemerkt: der Beitrag erschien in der Rubrik Feuilleton - nicht jedoch die begleitende Grafik, die auf den ersten Blick dramatisch erscheint, bei genauerer Betrachtung jedoch einer versuchten Verdummung des Lesers gleichkommt:
Denn in der Beschreibung steht, dass die Grafik die absoluten Änderungen des Dow Jones darstellt. Dazu muss man sich vor Augen halten, dass der Dow Jones nicht schon immer bei seinen rund 10.000 Punkten steht, sondern im Oktober 1928 bei gerade mal 240 Punkten. Das heißt ein Tagesverlust bzw. -gewinn von 100 Punkten, heutzutage beinahe täglich zu beobachten, hätte damals eine prozentuale Änderung von 42% bedeutet!
Aber hat denn die Nervosität am Markt in den letzten Jahren zugenommen, wie es der Autor mit dieser Grafik impliziert?
Schauen wir uns dazu einen deutlich breiter aufgestellten amerikanischen Aktienindex an, den S&P 500. Würde man die absoluten Wertänderungen abtragen, ergäbe sich ein Bild sehr ähnlich zu dem in der FAZ:

Betrachten wir uns nun jedoch die relativen, d.h. prozentualen, Änderungen von einem Tag zum nächsten. Dann zeigt sich ein ganz anderes Bild:

Diese macht natürlich deutlich weniger her, scheinen sich doch die täglichen Ausschläge seit den 50ern Jahren nicht wirklich verändert zu haben.
"Die irrwitzigen Schwankungen der Aktienkurse sind nicht so rätselhaft, wie oft behauptet wird. Wo die schnellsten Computer der Welt als Spekulanten agieren, gerät der Finanzmarkt ins Netz der räuberischen Algorithmen."
Den reißerischen Ton könnte man dem Autoren noch verzeihen - zu seiner Entschuldigung sei angemerkt: der Beitrag erschien in der Rubrik Feuilleton - nicht jedoch die begleitende Grafik, die auf den ersten Blick dramatisch erscheint, bei genauerer Betrachtung jedoch einer versuchten Verdummung des Lesers gleichkommt:
Denn in der Beschreibung steht, dass die Grafik die absoluten Änderungen des Dow Jones darstellt. Dazu muss man sich vor Augen halten, dass der Dow Jones nicht schon immer bei seinen rund 10.000 Punkten steht, sondern im Oktober 1928 bei gerade mal 240 Punkten. Das heißt ein Tagesverlust bzw. -gewinn von 100 Punkten, heutzutage beinahe täglich zu beobachten, hätte damals eine prozentuale Änderung von 42% bedeutet!
Aber hat denn die Nervosität am Markt in den letzten Jahren zugenommen, wie es der Autor mit dieser Grafik impliziert?
Schauen wir uns dazu einen deutlich breiter aufgestellten amerikanischen Aktienindex an, den S&P 500. Würde man die absoluten Wertänderungen abtragen, ergäbe sich ein Bild sehr ähnlich zu dem in der FAZ:

Betrachten wir uns nun jedoch die relativen, d.h. prozentualen, Änderungen von einem Tag zum nächsten. Dann zeigt sich ein ganz anderes Bild:

Diese macht natürlich deutlich weniger her, scheinen sich doch die täglichen Ausschläge seit den 50ern Jahren nicht wirklich verändert zu haben.
Samstag, 23. Januar 2010
The Financial Bubble Experiment
Didier Sornette und sein "Financial Crisis Observatory"-Team gehen in die Offensive - mit ihrem "Financial Bubble Experiment".
Er will damit dem naheliegenden Vorwurf begegnen, seine Vorhersagen zum Platzen von Spekulationsblasen nur dann zu veröffentlichen wenn sich diese im Nachhinein als zutreffend bewiesen haben.
Andererseits können die Vorhersagen aber auch nicht im voraus publiziert werden, da dann die Gefahr einer Marktreaktion auf die Vorhersage besteht.
Als Lösung veröffentlichen die Wissenschaftler vom ETH lediglich die digitale Signatur der PDF-Dokumente, in denen sie ihre Vorhersage treffen. Im Abstand von sechs Monaten (erstmals im Mai 2010) lüften sie das Geheimnis, auf welchem Markt sie eine Spekulationsblase vermutet haben und ob sich dieser Markt tatsächlich wie vorhergesagt verhalten hat.
Bin gespannt, wie sich das Projekt entwickelt: Die FAZ zitiert in Ihrem Artikel zwei Wissenschaftler, die den Ansatz von Sornette als wenig erfolgversprechend einschätzen - wobei einer von ihnen - Thomas Lux - ebenfalls unkonventielle Ansätze zur Vorhersage von Spekulationsblasen verfolgt.
Er will damit dem naheliegenden Vorwurf begegnen, seine Vorhersagen zum Platzen von Spekulationsblasen nur dann zu veröffentlichen wenn sich diese im Nachhinein als zutreffend bewiesen haben.
Andererseits können die Vorhersagen aber auch nicht im voraus publiziert werden, da dann die Gefahr einer Marktreaktion auf die Vorhersage besteht.
Als Lösung veröffentlichen die Wissenschaftler vom ETH lediglich die digitale Signatur der PDF-Dokumente, in denen sie ihre Vorhersage treffen. Im Abstand von sechs Monaten (erstmals im Mai 2010) lüften sie das Geheimnis, auf welchem Markt sie eine Spekulationsblase vermutet haben und ob sich dieser Markt tatsächlich wie vorhergesagt verhalten hat.
Bin gespannt, wie sich das Projekt entwickelt: Die FAZ zitiert in Ihrem Artikel zwei Wissenschaftler, die den Ansatz von Sornette als wenig erfolgversprechend einschätzen - wobei einer von ihnen - Thomas Lux - ebenfalls unkonventielle Ansätze zur Vorhersage von Spekulationsblasen verfolgt.
Samstag, 2. Januar 2010
Welche Wahl lässt uns die Krise?
Definiert man den Fall von Lehman Brothers als Stunde Null, so jährt sich die Krise am 15. September zum ersten Mal. Ein Jahr, in dem es die Hiobsbotschaften vom Wirtschaftsteil der Gazetten auf die Titelseite schafften. Ein Jahr, in dem die Bankenkrise zunächst zur Wirtschafts- und schließlich gar zur Weltwirtschaftskrise geadelt wurde. Von einer „Kernschmelze“ des Finanzsystems war die Rede, von einem Übergreifen auf die „Realwirtschaft“, von „faulen Krediten“, die auf „bad banks“ ausgelagert werden sollten – Wortschöpfungen, die einem heute genauso leicht über die Lippen gehen wie die Fantastilliarden an staatlichen Hilfszahlungen.
Doch der GAU blieb aus, das Finanzsystem blieb uns erhalten. Der Einbruch in der Realwirtschaft geht an vielen Konsumenten auch heute noch weitgehend unbemerkt vorbei. Vergleiche mit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stoßen vielerorts auf Verwunderung. Und schon werden erste Stimmen laut, das Gröbste sei überwunden. Es gehe wieder aufwärts. Banken wie Goldman Sachs, die ohne staatliche Hilfen heute nicht mehr am Markt existieren würden, sind wieder profitabel und schütten sogar Boni aus. Die Zertifikateindustrie verkauft neuen Wein in undurchsichtigen Schläuchen. Niedrige Zinsen und „Einstiegskurse“ im Aktienmarkt verleiten zur Spekulation. Alles also wie gehabt?
Oberflächlich betrachtet scheint dies tatsächlich so. Und genau hier liegt die Gefahr: Es darf kein bloßes „weiter so“ geben. Wir dürfen uns nicht selbstzufrieden zurücklehnen, in dem Glauben mit einem Blauen Auge davon gekommen zu sein. Denn das (scheinbare) Ende der Krise kam zu schnell. Das reinigende Feuer wurde gelöscht, bevor es das bestehende System zu einer echten Erneuerung zwingen konnte. Doch ohne diese notwendige Erneuerung wird der nächste Brand um so unerbittlicher über uns herein brechen und dann tatsächlich historische Dimensionen annehmen.
Das eigentliche Problem besteht also keineswegs darin, dass uns die Krise zu wenige Handlungsalternativen lässt. Es besteht vielmehr darin, dass sie uns nun wieder eine Wahl erlaubt: die Wahl zwischen dem richtigen und dem einfachen Weg; die Wahl zwischen einer Korrektur früherer Fehler und einer Fortführung des „status quo“. Und die traurige Wahrheit ist, dass wir – vor eine solche Wahl gestellt – in aller Regel den kurzfristigen Nutzen in den Vordergrund stellen und uns für den einfachen, den falschen Weg entscheiden.
Dies trifft insbesondere auf die Politik zu, die in dieser kritischen Zeit besonders gefordert wäre. Nicht nur, weil der 27. September wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Parlamentarier schwebt. Sondern weil die politischen Entscheidungsträger in ein feinmaschiges Geflecht aus parteipolitischen, persönlichen und branchenspezifischen Interessen eingebettet sind, das von allen Seiten Zugkräfte auf sie ausübt. Dieses Geflecht ist in den vergangenen Jahren zu einem undurchdringlichen Dickicht angewachsen und kann – lässt man nur allen Beteiligten genügend Zeit, sich in Stellung zu bringen – gute Politik erfolgreich verhindern. Denn eine Heerschar von Besitzstandswahrern macht es sich zu nutze, dass Veränderungen immer auch Nachteile mit sich bringen. Im Bestreben, es sich mit keinem Stakeholder zu verscherzen, werden dann fragwürdige Kompromisse geschlossen, deren Ausgestaltung sich auch bei wohlwollender Betrachtung nicht mit Sachargumenten begründen lässt. Was dann im Ergebnis zu einer Politik der Tippelschritte führt, die im besten Fall zumindest in die richtige Richtung zeigt.
Dies mag in einem statischen Umfeld noch funktionieren. Ändern sich jedoch die Rahmenbedingungen wie Ende letzten Jahres dramatisch, kann eine solche Politik nicht zum Erfolg führen. Und genau hier bestand die sprichwörtliche Chance in der Krise: Sie zwang die Entscheidungsträger, sich aus diesem Interessengeflecht herauszuschälen und entschlossen zu handeln. Der kollektive Schockzustand erlaubte es, den Finger in die offenen Wunden zu legen und Erste Hilfe zu leisten. Und nun – da der „Patient“ stabilisiert ist – wäre es an der Zeit, nicht nur die Symptome sondern auch die Ursachen zu behandeln. Doch mit jedem Prozentpunkt, den der DAX und die übrigen Indikatoren steigen, wird dies schwieriger. Mit jedem Tag, an dem die Krise von den Titelseiten und damit aus den Köpfen verschwindet, verliert die Politik einen Teil ihrer Entscheidungskraft. Wahltaktik und Parteiinteressen gewinnen wieder die Oberhand.
Daher dürfen wir uns nicht darauf verlassen, dass die Politik die Missstände für uns aus der Welt schaffen wird. Wir müssen selbst die Verantwortung übernehmen für die Probleme, deren Lösung in unserer eigenen Hand liegt. Wir alle. Der mündige Bankkunde, der sich von provisionsgesteuerten Beratern emanzipiert und sich nicht von Renditeversprechen blenden lässt. Der langfristig denkende Unternehmer, der seine Entscheidungen stets sowohl unter Rendite- als auch unter Risikoaspekten abwägt. Und schließlich der Angestellte, der sich nicht auf die Abhängigkeit zu seinem Arbeitgeber beruft, wenn ihm moralisch fragwürdiges Handeln abverlangt wird.
Nur wenn wir alle aus unseren Fehlern lernen und diese Lektionen in unserem kollektiven Bewusstsein bewahren, haben wir gute Chancen auf eine echte wirtschaftliche Zukunft. Auf eine Zukunft, die auch den nachfolgenden Generationen – unseren Kindern und Kindeskindern – eine vergleichbar hohe Lebensqualität bietet.
(mein Beitrag zum Leserwettbewerb der ZEIT im September 2009)
Doch der GAU blieb aus, das Finanzsystem blieb uns erhalten. Der Einbruch in der Realwirtschaft geht an vielen Konsumenten auch heute noch weitgehend unbemerkt vorbei. Vergleiche mit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stoßen vielerorts auf Verwunderung. Und schon werden erste Stimmen laut, das Gröbste sei überwunden. Es gehe wieder aufwärts. Banken wie Goldman Sachs, die ohne staatliche Hilfen heute nicht mehr am Markt existieren würden, sind wieder profitabel und schütten sogar Boni aus. Die Zertifikateindustrie verkauft neuen Wein in undurchsichtigen Schläuchen. Niedrige Zinsen und „Einstiegskurse“ im Aktienmarkt verleiten zur Spekulation. Alles also wie gehabt?
Oberflächlich betrachtet scheint dies tatsächlich so. Und genau hier liegt die Gefahr: Es darf kein bloßes „weiter so“ geben. Wir dürfen uns nicht selbstzufrieden zurücklehnen, in dem Glauben mit einem Blauen Auge davon gekommen zu sein. Denn das (scheinbare) Ende der Krise kam zu schnell. Das reinigende Feuer wurde gelöscht, bevor es das bestehende System zu einer echten Erneuerung zwingen konnte. Doch ohne diese notwendige Erneuerung wird der nächste Brand um so unerbittlicher über uns herein brechen und dann tatsächlich historische Dimensionen annehmen.
Das eigentliche Problem besteht also keineswegs darin, dass uns die Krise zu wenige Handlungsalternativen lässt. Es besteht vielmehr darin, dass sie uns nun wieder eine Wahl erlaubt: die Wahl zwischen dem richtigen und dem einfachen Weg; die Wahl zwischen einer Korrektur früherer Fehler und einer Fortführung des „status quo“. Und die traurige Wahrheit ist, dass wir – vor eine solche Wahl gestellt – in aller Regel den kurzfristigen Nutzen in den Vordergrund stellen und uns für den einfachen, den falschen Weg entscheiden.
Dies trifft insbesondere auf die Politik zu, die in dieser kritischen Zeit besonders gefordert wäre. Nicht nur, weil der 27. September wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Parlamentarier schwebt. Sondern weil die politischen Entscheidungsträger in ein feinmaschiges Geflecht aus parteipolitischen, persönlichen und branchenspezifischen Interessen eingebettet sind, das von allen Seiten Zugkräfte auf sie ausübt. Dieses Geflecht ist in den vergangenen Jahren zu einem undurchdringlichen Dickicht angewachsen und kann – lässt man nur allen Beteiligten genügend Zeit, sich in Stellung zu bringen – gute Politik erfolgreich verhindern. Denn eine Heerschar von Besitzstandswahrern macht es sich zu nutze, dass Veränderungen immer auch Nachteile mit sich bringen. Im Bestreben, es sich mit keinem Stakeholder zu verscherzen, werden dann fragwürdige Kompromisse geschlossen, deren Ausgestaltung sich auch bei wohlwollender Betrachtung nicht mit Sachargumenten begründen lässt. Was dann im Ergebnis zu einer Politik der Tippelschritte führt, die im besten Fall zumindest in die richtige Richtung zeigt.
Dies mag in einem statischen Umfeld noch funktionieren. Ändern sich jedoch die Rahmenbedingungen wie Ende letzten Jahres dramatisch, kann eine solche Politik nicht zum Erfolg führen. Und genau hier bestand die sprichwörtliche Chance in der Krise: Sie zwang die Entscheidungsträger, sich aus diesem Interessengeflecht herauszuschälen und entschlossen zu handeln. Der kollektive Schockzustand erlaubte es, den Finger in die offenen Wunden zu legen und Erste Hilfe zu leisten. Und nun – da der „Patient“ stabilisiert ist – wäre es an der Zeit, nicht nur die Symptome sondern auch die Ursachen zu behandeln. Doch mit jedem Prozentpunkt, den der DAX und die übrigen Indikatoren steigen, wird dies schwieriger. Mit jedem Tag, an dem die Krise von den Titelseiten und damit aus den Köpfen verschwindet, verliert die Politik einen Teil ihrer Entscheidungskraft. Wahltaktik und Parteiinteressen gewinnen wieder die Oberhand.
Daher dürfen wir uns nicht darauf verlassen, dass die Politik die Missstände für uns aus der Welt schaffen wird. Wir müssen selbst die Verantwortung übernehmen für die Probleme, deren Lösung in unserer eigenen Hand liegt. Wir alle. Der mündige Bankkunde, der sich von provisionsgesteuerten Beratern emanzipiert und sich nicht von Renditeversprechen blenden lässt. Der langfristig denkende Unternehmer, der seine Entscheidungen stets sowohl unter Rendite- als auch unter Risikoaspekten abwägt. Und schließlich der Angestellte, der sich nicht auf die Abhängigkeit zu seinem Arbeitgeber beruft, wenn ihm moralisch fragwürdiges Handeln abverlangt wird.
Nur wenn wir alle aus unseren Fehlern lernen und diese Lektionen in unserem kollektiven Bewusstsein bewahren, haben wir gute Chancen auf eine echte wirtschaftliche Zukunft. Auf eine Zukunft, die auch den nachfolgenden Generationen – unseren Kindern und Kindeskindern – eine vergleichbar hohe Lebensqualität bietet.
(mein Beitrag zum Leserwettbewerb der ZEIT im September 2009)
Mittwoch, 30. Dezember 2009
2000-2009: "Die große Null"?
Associated Press haben in Ihrer heutigen Meldung das wirtschaftliche Geschehen der auslaufenden Dekade Revue passieren lassen und es als "Jahrzehnt der Spekulationsblasen" bezeichnet (siehe fast gleichlautende Artikel z.B. auf Yahoo! Finance und Hamburger Abendblatt):
Vergleicht man zunächst einmal die aktuellen Stände mit denen Ende 1999, zeigt sich dass sowohl der amerikanische als auch der deutsche Leitindex in dieser Zeit sogar deutlich eingebüßt haben: der Dow Jones Industrial Average (DJIA) 8%, der Deutsche Aktienindex (DAX) 14%.
Da es sich beim DAX um einen Performanceindex handelt, sind hier die Dividendenausschüttungen bereits im Kurs enthalten und der ausdauernde Investor hat tatsächlich eine Negativrendite zu verbuchen.
Wie wichtig in diesen Marktphasen ein gutes Timing ist, zeigt nun aber folgende Alternativrechnung, die gewissermaßen den "allwissenden Investor" unterstellt, um ein Maß für die "potentielle Rendite" zu erhalten. Um in keine Diskussionen bzgl. der Transaktionskosten zu kommen, habe ich dabei nur folgende 8 Käufe bzw. Verkäufe unterstellt:
Während der ausdauernde Investor mit seiner Hold-and-Buy-Strategie also die erwähnten 14% Verlust einfährt, hätte der "allwissende" Investor sein Vermögen fast verneunfacht - und das obwohl er nur knapp sechs Jahre im Aktienmarkt investiert war (aber eben in den "richtigen" Zeiträumen).
Von diesen Zahlen sollte man sich natürlich nicht blenden lassen, denn die idealtypische "Traumrendite" des allwissenden Investors bleibt im Allgemeinen genau das - der Traum jedes Marktteilnehmers. Dies illustriert aber dennoch, dass die zunehmende Volatilität an den Aktienmärkten eben auch eine Chance darstellt: die Chance, bei intensiver Marktbeobachtung deutlich positive Renditen zu erwirtschaften.
"Die Dekade begann mit dem Hype um Internetunternehmen, doch die New-Economy-Blase platzte. Sie endet mit den Folgen der schwersten Finanzmarktkrise seit den 1930er Jahren. [...] Anleger liefen zwischen 2000 und 2009 in Scharen vermeintlich guten Ideen hinterher, nur um zuletzt vor einem Scherbenhaufen zu stehen."AP macht sich insbesondere auf die Meinung Paul Krugmans zu eigen, der das Jahrzehnt als "Die große Null" bezeichnet hat, da weder die Aktien- noch die Arbeitsmärkte seit der Jahrtausendwende kaum zugelegt hätten. Der richtige Moment, sich den Verlauf der letzten zehn Jahre einmal genauer anzuschauen.
Vergleicht man zunächst einmal die aktuellen Stände mit denen Ende 1999, zeigt sich dass sowohl der amerikanische als auch der deutsche Leitindex in dieser Zeit sogar deutlich eingebüßt haben: der Dow Jones Industrial Average (DJIA) 8%, der Deutsche Aktienindex (DAX) 14%.
Da es sich beim DAX um einen Performanceindex handelt, sind hier die Dividendenausschüttungen bereits im Kurs enthalten und der ausdauernde Investor hat tatsächlich eine Negativrendite zu verbuchen.
Wie wichtig in diesen Marktphasen ein gutes Timing ist, zeigt nun aber folgende Alternativrechnung, die gewissermaßen den "allwissenden Investor" unterstellt, um ein Maß für die "potentielle Rendite" zu erhalten. Um in keine Diskussionen bzgl. der Transaktionskosten zu kommen, habe ich dabei nur folgende 8 Käufe bzw. Verkäufe unterstellt:
Datum | Transaktion | DAX | Rendite (Buy & Hold) | Rendite ("allwissend") |
31.12.1999 | Kauf | 6958,14 | 0% | 0% |
07.03.2000 | Verkauf | 8064,97 | 16% | 16% |
21.09.2001 | Kauf | 3787,23 | -46% | 16% |
28.03.2002 | Verkauf | 5397,29 | -22% | 65% |
12.03.2003 | Kauf | 2202,96 | -68% | 65% |
16.07.2007 | Verkauf | 8105,69 | 16% | 508% |
06.03.2009 | Kauf | 3666,41 | -47% | 508% |
30.12.2009 | Verkauf | 5957,43 | -14% | 888% |
Während der ausdauernde Investor mit seiner Hold-and-Buy-Strategie also die erwähnten 14% Verlust einfährt, hätte der "allwissende" Investor sein Vermögen fast verneunfacht - und das obwohl er nur knapp sechs Jahre im Aktienmarkt investiert war (aber eben in den "richtigen" Zeiträumen).
Von diesen Zahlen sollte man sich natürlich nicht blenden lassen, denn die idealtypische "Traumrendite" des allwissenden Investors bleibt im Allgemeinen genau das - der Traum jedes Marktteilnehmers. Dies illustriert aber dennoch, dass die zunehmende Volatilität an den Aktienmärkten eben auch eine Chance darstellt: die Chance, bei intensiver Marktbeobachtung deutlich positive Renditen zu erwirtschaften.
Sonntag, 6. Dezember 2009
Kleiner Pressespiegel: November 2009
Einige interessante Artikel der letzten Wochen:
- Vorsicht, Panik (Zeit Online, 26.11.2009)
Ist die Angst vor der nächsten Blase schlimmer als die Blase selbst? - Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt (Südkurier, 26.11.2009)
Verhindert zukünftig ein "Emo"-Armreif, dass die Händler von ABN Amro irrationale Entscheidungen treffen?
(den ausführlicheren Blog-Artikel des Autors gibt's im Pixelökonom)
Sonntag, 3. Mai 2009
Rezension: "Animal Spirits" (Akerlof/Shiller, 2009)
Der Begriff "Animal Spirits" geht auf den britischen Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes zurück. Dieser beschrieb in seiner bereits 1936 veröffentlichten General Theory of Employment, Interest and Money, dass ein Großteil des menschlichen Handelns nicht allein auf rationalen Abwägungen sondern vielmehr auf einer spontanen, logisch nicht erklärbaren Eingebung beruht - dem "animal spirit".
Keynes kam dabei zu der Einsicht, dass der Staat die (Kapital-)Märkte daher keineswegs sich selbst überlassen und auf eine Selbstregulation hoffen sollte. Vielmehr sondern behutsam steuernd in die Märkte eingegriffen und so den "Animal Spirits" entgegen gewirkt werden.
Keynes ist also gerade in heutiger Zeit ein echter Sympathieträger. Es verwundert daher nicht, dass die Ökonomen George A. Akerlof und Robert Shiller - beide ebenso bekannte wie langjährige Kritiker der verbreiteten Lehrmeinung - die Chance nutzen und ihre eigene Auffassung der wirtschaftlichen Zusammenhänge einem breiten Publikum präsentieren.
[wird fortgesetzt]
Keynes kam dabei zu der Einsicht, dass der Staat die (Kapital-)Märkte daher keineswegs sich selbst überlassen und auf eine Selbstregulation hoffen sollte. Vielmehr sondern behutsam steuernd in die Märkte eingegriffen und so den "Animal Spirits" entgegen gewirkt werden.
Keynes ist also gerade in heutiger Zeit ein echter Sympathieträger. Es verwundert daher nicht, dass die Ökonomen George A. Akerlof und Robert Shiller - beide ebenso bekannte wie langjährige Kritiker der verbreiteten Lehrmeinung - die Chance nutzen und ihre eigene Auffassung der wirtschaftlichen Zusammenhänge einem breiten Publikum präsentieren.
[wird fortgesetzt]
Sonntag, 25. Januar 2009
IWF-Studie zur "Taxonomie des ökonomischen Grauens"
Durch einen Artikel im Handelsblatt ("Das Grauen: Die Spielarten von Rezessionen", 10.01.2009) bin ich auf ein Arbeitspapier des Internationalen Währungsfonds (IWF) gestoßen, in dem 122 Rezessionen seit 1960 in Hinblick auf die damals herrschenden wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen analysiert wurden.
Der Abstract bringt das Ergebnis auf den Punkt:
Der Abstract bringt das Ergebnis auf den Punkt:
"In particular, we analyze the implications of 122 recessions, 112 (28) credit contraction (crunch) episodes, 114 (28) episodes of house price declines (busts), 234 (58) episodes of equity price declines (busts) and their various overlaps in these countries over the sample period.Durch die Executive Summary wird der letzte Satz noch besser greifbar:
Our results indicate that interactions between macroeconomic and financial variables can play major roles in determining the severity and duration of recessions.
Specifically, we find evidence that recessions associated with credit crunches and house price busts tend to be deeper and longer than other recessions."
- The typical recession lasts almost 4 quarters and is associated with an output drop of roughly 2 percent (Figure A). Most macroeconomic and financial variables exhibit procyclical behavior during recessions. While recessions have been becoming shorter and milder over time, they remain highly synchronized across countries. Moreover, recessions often coincide with the episodes of contractions in domestic credit and declines in asset prices.
- Episodes of credit crunches, house price and equity price busts last much longer than recessions do. For example, a credit crunch episode typically lasts two-and-a-half years and is associated with nearly a 20 percent decline in credit. A housing bust tends to persist even longer—four-and-a-half years with a 30 percent fall in real house prices. And an equity price bust lasts some 10 quarters and when it is over, the real value of equities drops by half.
- In one out of six recessions, there is also a credit crunch underway, and in one out of four recessions a house price bust. Equity price busts coincide with one-third of recession episodes. There can be considerable lags between financial market disturbances and real activity. A recession, if one occurs, can start as late as four to five quarters after the onset of a credit crunch or housing bust.
Der Fall Madoff: Ponzi lässt grüßen
Mitte Dezember 2008 war es soweit: der vermutlich größte Finanzbetrug eines Einzelnen kam an die Öffentlichkeit und der Verantwortliche - Bernard Madoff - bezeichnete sein bis dahin florierendes Unternehmen als "one big lie".
50.000.000.000 US$ sollen durch sein Geschäftsmodell vernichtet worden sein. Dabei handelte es sich um ein klassisches Schneeballsystem, das nach einem klassischen Fall aus den 1920er Jahren im angelsächsischen Raum auch "Ponzi Scheme" genannt wird.
Dass ein Betrug solch eines Ausmaßes auch in heutigen Zeiten noch funktioniert, hängt aus meiner Sicht unmittelbar mit dem großen Vertrauen zusammen, dass die Anleger dem früheren NASDAQ-Mitbegründer entgegen gebracht haben.
Wikipedia definiert ein Schneeballsystem wie folgt:
50.000.000.000 US$ sollen durch sein Geschäftsmodell vernichtet worden sein. Dabei handelte es sich um ein klassisches Schneeballsystem, das nach einem klassischen Fall aus den 1920er Jahren im angelsächsischen Raum auch "Ponzi Scheme" genannt wird.
Dass ein Betrug solch eines Ausmaßes auch in heutigen Zeiten noch funktioniert, hängt aus meiner Sicht unmittelbar mit dem großen Vertrauen zusammen, dass die Anleger dem früheren NASDAQ-Mitbegründer entgegen gebracht haben.
Wikipedia definiert ein Schneeballsystem wie folgt:
"Als Schneeballsystem oder Pyramidensystem werden Geschäftsmodelle bezeichnet, die zum Funktionieren eine ständig wachsende Zahl Teilnehmer benötigen. Gewinne für Teilnehmer entstehen beinahe ausschließlich dadurch, dass neue Teilnehmer einsteigen und Geld investieren. In den meisten Ländern sind diese Systeme mittlerweile verboten."Für diejenigen, die gerne selbst einmal ein solches System durchspielen möchten, habe ich auf meiner Homepage ein kleines Excel-Tool zur Verfügung gestellt. Über Feedback zu dem Tool würde ich mich freuen.
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