Donnerstag, 11. September 2008

FTD: Warum Spekulationsblasen toleriert werden

Schon etwas älter, aber keineswegs uninteressant, ist ein Artikel , der im Juni auf den Seiten der Financial Times Deutschland veröffentlicht wurde. Dort wird die Frage aufgeworfen, ob es in Zeiten immer häufiger auftretender Spekulationsblasen sinnvoll ist diese möglichst frühzeitig zu erkennen und einzudämmen - oder ob im Gegenteil der immer wiederkehrende Zyklus aus Boom und Crash für den US-Markt mittlerweile nicht sogar lebensnotwendig ist.

Der Artikel bezieht sich im Wesentlichen auf einen Aufsatz von Eric Janszen, Gründer des Internetportals itulip.com (der Name leitet sich von der "Tulipmania" des frühen 17. Jahrhunderts ab) und bekannt geworden durch seine frühen Warnungen vor dem Ende des "Dotcom"-Booms Anfang 2000.

In diesem Aufsatz stellt Janszen die Hypothese auf, dass die US-Wirtschaft ohne Spekulationsblasen nicht mehr funktionieren könne. Oder auf den Punkt gebracht: "Given the current state of our economy, the only thing worse than a new bubble would be its absence."

Er argumentiert, dass die nächste Blase (in seinen Augen wäre der Sektor Alternative Energien ein aussichtsreicher Kandidat) genug "fiktiven Wert" generieren müsse, um die Verluste aus der aktuellen Immobilienblase wieder auszugleichen.

Nimmt man einmal an, Janszen hätte mit seiner Einschätzung der Situation recht. Dann wäre die US-Wirtschaft in jedem Fall dem Untergang geweiht: Um die Verluste vergangener Blasen wett zu machen, wären in immer kürzeren Zeitabständen neue Blasen notwendig, ein Kreislauf der zwangsläufig früher oder später nicht mehr aufrecht erhalten werden könnte.

Von daher stellt sich durchaus die Frage, ob es nicht doch von Vorteil ist, diesen Kreislauf bereits jetzt zu durchbrechen und die nächste Blase bereits frühzeitig einzudämmen!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Oliver,
ist der Aufsatz von Janszen irgendwo zugänglich?

Oliver hat gesagt…

Hi,

das Wort "Aufsatz" ist entsprechend verlinkt. Aber hier nochmal explizit:
http://www.harpers.org/archive/2008/02/0081908